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Von der Schrottkarre zum Reisebus

Waldemar in Athen auf dem Lofos Strefi

Ein Fernreisebus mit Allradantrieb oder einfach nur irgend ein alter Mercedes der  überall repariert werden kann? Die Wahl des richtigen Basisfahrzeuges ist ein individueller Prozess.

Wie wir zu unserem Wohnwagen gekommen sind und was für uns ganz wichtig war.

"Einfach mal Richtung Osten fahren"

Zwischen den zukunftsweisenden Antworten auf die Frage, was wir denn nach dem Bachelor machen wollen, kam ich mir mit dieser Aussage jetzt nicht gerade sehr Karriere orientiert vor.

Dafür jedoch wie ein Abenteurer. Im Atelier hatte ich damit meine Arbeit beendet und konnte mich nun voll und ganz einem neuen Projekt widmen: Unser Reisemobil

Mercedes Benz T1 Bremer 307d im Originalzustand, verrostet, alt, Oldtimer

So stand er ganz unschuldig da und wir haben uns direkt verliebt

Das richtige Fahrzeug

Ohne praktischer Erfahrung und absolut ohne technischem Know-How das richtige Basisfahrzeug auszusuchen ist nicht gerade einfach. Eine Altbauwohnung auflösen und in einen Van stecken?

Nach langer Recherche und einer sehr ehrlichen Beratung mit Uwe vom Basis Camp Berlin konnten wir uns doch noch entscheiden: fahrtüchtig - Koffer - maximal 3,5t

Aus Cottbus ging es dann doch erstmal in den Westen, nach Solingen, scharfe Klingen und ein gutes Fahrzeug soll es da geben. So haben wir uns einen alten Bremer ans Bein gehängt und mussten uns erstmal liebevoll um ihn kümmern:

neuen Boden rein - schleifen - Bleche einnieten - lackieren - massieren

Annalena mit einem guten Freund am lackieren mit Sprühdosen der Karosserie

Gut inszeniert ist die halbe Arbeit - wie wir so tun als ob wir lackieren

Leben im Paradies

Viele Relikte der alten Zeit stehen in Ostdeutschland oft nur verrostet, mit eingeschlagenen Scheiben oder gar nicht mehr da. "Alles nutzbare Ressourcen!", denke ich da mit meiner schwäbischen Eigenart. 

So finden wir uns auch schon bald wieder, bei einer sehr guten Freundin in der Datscha. Ein paradiesischer Ort, der perfekte Ort zum Aussteigen. Mietfrei. Der Frühling grüßt von seiner besten Seite und wir genießen die Freiheit zwischen blühenden Apfelbäumen, Hängematte und unserer neuen Baustelle: eine fahrbare Wohnung auf 8 qm.

Auf unseren städtischen Raubtouren durch alte Chemiefabriken und klassische Altbauten finden wir den ein oder anderen Schatz un verwerten ihn mit Mühe und Geduld in unserer neuen Wohnung.

Prinzipienbehaftet: Natürlich Öko

Trotz Alukoffer und Dieselfresser stand für uns ein Paradox fest, im Innenraum wollen wir möglichst gute Luft behalten.

Weil das in einem geschlossenen Kasten aus Metall nicht einfach ist, haben wir uns ein paar technische Tüfteleien ausgedacht:

  • Holzlamellen im Schlafbereich um auftretendes Kondenswasser zu entlüften (diffusionsoffen)
  • natürlicher Dämmstoff aus Hanf und Jute aus der Uckermark
  • feuerfesten Baumwollstoff um die Dämmung zu verdecken und atmungsaktiv zu lassen (wegen Kondensierung am Alu)
  • natürlich geöltes Holz
  • Materialien wiederverwerten:
  • Holz und Möbel aus leerstehenden Häusern
  • Fenster einer alten Fabrik
  • ausgedienter Gasherd
  • Zinkwanne
  • Wohlfühlwärme mit urigem Holzofen

Die Reise beginnt

Das Leben ist ein riesiger Versuchsaufbau. So haben wir über das Jahr alles gegeben damit unser Experiment gelingt.

Mit viel Zeit, Einfallsreichtum und Blauäugigkeit konnten wir unser Ergebnis im Dezember der familiären Fachjury vorstellen. Das Ergebnis: zufriedenstellend.

An Silvester haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Wo wir hinwollen, war ungewiss. Erstmal von der schwäbischen Alb die Donau entlang.

Unser Zuhause:

Heydar Aliyev Center in Baku

Verfasst von Waldemar,

23. Dezember 2018

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