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Usbekistan - eine Reise durch den postsozialistischen Orient

Gulliver Reisemobil Van in Buchara

Brotenstrauss - Broten was?

Von unserer Express-Tour durch Turkmenistan, können wir uns an der usbekischen Grenzkontrolle erholen. Bei der Ankunft im Zollhäuschen gucken uns die Zöllner an als ob wir seit Jahren die ersten Menschen sind, die die Grenze passieren. Tatsächlich sind wir hier die einzigen die nach Usbekistan einreisen wollen. Es liegt Spannung in der Luft und wir rechnen, wegen der verzerrten Mimik damit hier aufs gründlichste stundenlang durchsucht zu werden. Doch der Schein trügt.

 

Wir verbringen zwei Stunden dort, weil irgendein Minister irgendeinen anderen Minister besucht um irgendwelche administrativen Dinge zu klären. Boden gebohnert, Hemden gebügelt, Schweißperlen auf der Stirn, letzte hektische Bewegungen und Panik bei unserem Anblick. Die Anweisung der herausgeputzten Zöllner lautet: „Bitte warten Sie im blitzblanken Eingangsbereich hinter der blickdichten Wand bis der eine Minister die Grenze passiert hat.“ Es ging vermutlich so langsam voran, da der Minister an Handkrämpfen durch das viele Händeschütteln litt oder aber, dadurch, dass das würdige Geschenk so unheimlich schwer war.

 

Ja, denn wie in Usbekistan anscheinend üblich, überreicht ein Regierungsmitglied beim Verlassen eines aufgeräumten Grenzpostens immer einen gewaltigen Brotenstrauss, den zwei Männer tragen müssen. Dieser liebevoll zusammengebundene Strauß besteht gänzlich aus traditionellem Brot mit Stempel-Verzierung welches in Papier gewickelt wurde und macht die ganze Mannschaft satt. Die beschenkten Beamten freuen sich riesig und wir sind sicher, dass dieser Mann der Kornminister sein muss oder zumindest der Mehlminister, warum sonst, verschenkt man einen Brotenstrauss?

 

Die gastfreundlichen Usbeken am Posten entschädigten uns für die Warterei indem sie das Staatsgeschenk mit uns teilen. Mit vier knautschig-leckeren Brötchen bekrümeln wir unsere Sitze während wir uns auf den Weg nach Buchara machten.

Buchara Minarett Skyline Usbekistan Orient Muslimische Architektur Islam

Die geniale Architektur in Buchara

Zwischen Kalligraphie und Betonbau spazieren Männer im Bademantel

Saunieren oder Hammam ist weit verbreitet. In vielen Ländern in denen wir zu Gast waren, durften wir die Badekultur hautnah erleben. Dieses Land ist von den Persern im heutigen Iran, den Seldschuken in der heutigen Türkei, aber auch später von den Kolonisten aus dem heutigen Russland beeinflusst. Dadurch herrscht hier ein ganz besonderer individueller Kultur-Flair. 

 

Zuerst entdecke ich Saunaindizien bei Einbruch der Dämmerung in Buchara. Beim ersten Schlendern durch die hübschen bunt bekachelten Gassen der Weltkulturerbe-Stadt bin ich sicher, die Männer der Stadt kommen gerade wohl alle aus der Sauna, die tragen nämlich Bademantel.

 

Was sich wohl durchgesetzt hat, Hammam aus dem Orient oder Banja, die russische Sauna? 

 

Wo früher der Khan residierte parkt unser Gulliver heute neben der Festung aus dem 5. Jahrhundert. Zum Frühstück bestaunen wir das hübsche Kalon Minarett der Moschee und die alte Stadtbefestigung. Zu meiner Verwunderung tragen die Männer immer noch Bademantel. Oder wieder? Auch Frauen scheinen sich darin wohl zu fühlen. Ich bin irritiert und frage mich, ob die Usbeken  total fanatische Saunagänger sind oder ihre traditionelle Kleidung einem Bademantel ähnelt. Zumindest Nachts ist dieser Mantel kaum von einem Bademantel zu unterscheiden, tagsüber fallen mir Details und Unterschiede auf. Manche sind schlicht und einfarbig mit kleinen goldenen Borten, andere sind pfauenaugenartig gewoben und reich mit Goldfäden verziert.

 

In meinem Kopf gibt es unzählige Geschichten die hier spielen könnten, Bauchtänzerinnen die für den mächtigen Kalifen tanzen und Frauen die am Webstuhl des Herrschers Bademäntel herstellen, die von Schneidern in mühevoller Kleinstarbeit bestickt werden. Daneben reiht sich die Tradition, der Bademäntel als Mäntel, die den gesellschaftlichen Stand nach außen tragen, perfekt ein. 

In einem der Hammams der Stadt kann man sich fühlen wie in 1001 Nacht, in der Zeit wo Buchara noch ein Handelszentrum an der Seidenstraße war. Dass die Usbeken ihren Mantel nach dem Hammam tragen ist genauso unwahrscheinlich wie, dass sie lieber in die russische Banja gehen würden. Möglich ist es dennoch.

 

 

Die prächtige Stadt mit ihren überdachten Bazaaren und den Handwerkern die darunter ihre Waren anpreisen, hat zwar nur einen funktionierenden Geldautomaten und viele Schlaglöcherstrassen, dafür trifft man sympathische Bademantelträger, kann superköstliche Somsas (Teigtaschen) snacken und in aller Ruhe die fantastische Architektur bestaunen oder einen Hammam besuchen.

Anna im traditionellen usbekischen Gewand Bademantel bestickt mode

Traditioneller usbekischer Bademantel

Haotz Mosque Usbekistan - Reiche Verzierung der Decke in Usbekistan, Buchara

Haotz Mosque Usbekistan - Reiche Verzierung der Decke in Usbekistan, Buchara

Usbekistan

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Verfasst von Annalena,

20.08.2019

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